Leshan
Auf Ferien freut man sich immer, aber dieses Mal kam es mir so vor, als hätte ich noch nie so sehr einem Ausgleich entgegengehungert.
Am 26. Januar ging die Reise endlich los. Ich bin mit Freunden in einem mehr als vollgestopften Auto nach Leshan gefahren, wo ich schon während den letzten Ferien herzlich aufgenommen worden bin. Als wir endlich da waren, hatte ich das Gefühl, zuhause angekommen zu sein.
Die nächsten Tage habe ich mich bei der befreundeten Familie und ihrem entspannten Familienleben ausgeruht. Stundenlang saß ich immer bei XiaoDan und alle möglichen Familienmitglieder gingen ein und aus. Es war also immer etwas los
An einigen Tagen war ich auch mit meinen Freunden unterwegs. Wir waren beim großen Buddha, für den Leshan bekannt ist – mal vom Essen abgesehen. Und wie waren auf dem Emei Berg, aber viele wollten zurück, weil sie es wegen der Kälte einfach nicht ausgehalten haben. Ich habe eine andere Familie in Ya-an besucht und wir waren – wie kann es anders sein – essen, essen, essen.
Der letzte Tag im Jahr, 2. Februar, wurde mit viel Feuerwerk und Krach gefeiert. Das war ein Spektakel, das kann man sich in Deutschland nicht vorstellen!! Zwei Freunde und ich standen zuhause auf dem Balkon und haben mit zugehaltenen Ohren die Aussicht genossen. Es war so laut, dass wir ganz benommen wurden und an Schlaf war natürlich auch nicht zu denken.
Die Zeit in „meiner“ chinesischen Familie war wieder wunderschön und ich bin sehr froh, dass ich Neujahr, das traditionelle Familienfest, so hautnah miterleben konnte!
Aber irgendwann wollte ich auch weiter…
Lugu Hu
Am 9.2. ging die Reise dann ENDLICH richtig los!
Es war ein harter Kampf ums Zugticket, aber irgendwann saß ich im Zug in Richtung Xichang. Am nächsten Tag ging es dann zu meinem eigentlich Ziel weiter – Lugu Hu. In Xichang hätte mich wirklich nicht viel gehalten ![]()
Während der langen Fahrt kreuz und quer auf kleinen Straßen durch die Berge, habe ich mich sehr gut mit drei Jungs aus Beijing verstanden. Am Lugu See angekommen, trennten sich unsere Wege allerdings.
Beim Lugu See gibt es viele Minderheiten. Die bekannteste darunter sind die Mosuo, das einzige Volk, das immer noch Matriarchalisch praktiziert. Als ich am ersten Abend auf dem Weg nach hause war, habe ich etwas gemacht, was ich eigentlich nie mache – ich habe eine Mosuo-Familie gefragt, ob ich sie fotografieren darf. Irgendwie habe ich das älteste Mädchen spontan gefragt, ob sie nicht auch mal ein paar Fotos mit meiner Kamera machen möchte, ich weiß selbst nicht warum. In dem Moment war aber plötzlich eine Verbindung da. Die Frau, die ich erst für die Mutter gehalten hatte, hat mich gleich eingeladen – und eh ich mich versah, saß ich in dem traditionellen „Wohnzimmer“ einer Mosuo-Familie!
An der einen Wand des bunt bemalten Raums war eine Art kleiner Altar oder ähnliches in der Wand. Um dorthin zu gelangen, musste man eine Holzstufe hoch. Diese Art Podest nahm den größten Teil des Raums ein. Unter dem Altar war eine Feuerstelle mit zwei niedrige Bänkchen. Dort wurde ich gleich hingeführt – es war die Feuerstelle der Frauen. Die zwei Großmütter in traditionellen Kleidern nahmen gegenüber Platz und die Kinder wuselten durch die Gegend. Ich war heilfroh, am warmen Feuer sitzen zu können. Ich hatte kaum eine dampfende Tasse Tee in die Hand gedrückt bekommen, als zwei junge Männer reinkamen. Sie setzten sich sofort auf den Holzvorsprung an der Seite des Raums. Der Vorsprung war mit einem Teppich verkleidet, deutlich höher und hatte auch eine Feuerstelle. Aber sie war eindeutig nicht im Zentrum des Raumes. Das war der Platz der Männer. Die eindeutige Trennung von Frau und Mann hatte aber gar nichts zwanghaftes an sich, es war einfach selbstverständlich.
Wir saßen lange so zusammen, haben uns bisschen unterhalten, wobei ich mich meistens mit dem neunjährigen Mädchen unterhalten haben, denn die anderen sprachen entweder in ihrer Sprache oder in einem so starken Dialekt, dass ich sie nur schwer verstehen konnte. Irgendwann kam heraus, dass ich noch nicht gegessen hatte und prompt kochte die junge Frau mir etwas. Die meisten Eltern der Kinder waren irgendwo „in der Stadt“ arbeiten und kommen nur selten nach hause, die ganze Großfamilie sorgte also für sie. Abends fuhr mich der eine junge Mann und seine Freunde mit dem Auto nach hause. So sprang ich irgendwann gegen 11 Uhr nachts aus einem alten Auto voller fröhlich singender junger Männer und wurde von dem überraschten Hotelbesitzer in Empfang genommen.
Am nächsten Tag bin ich früh aufgestanden, um bei der Bank Geld abzuheben. Aber ich bekam und bekam beim besten Willen einfach kein Geld aus der Maschine. Hatte ich den PIN vergessen? Dann hat sich herausgestellt, dass meine Karte bei der Bank nicht angenommen wurde. Aber das war die einzige Bank weit und breit und ich hatte nur noch etwa 1€ – gerade genug, um zu Essen. Was jetzt?!
Da sah ich plötzlich 300 Yuan (30€) auf dem Boden!!! Aber nach einigem Suchen und Warten hat sich dann doch der Besitzer gefunden, ich kann das Geld ja nicht einfach einstecken.
In der Zwischenzeit hatte ich einen jungen Mann kennen gelernt, der sich jetzt fest vorgenommen hat, mir zu Helfen eine Bank zu finden. Weil er darauf schwor, dass es in der angrenzenden Provinz, Yunnan, eine passende Bank gibt, sind wir mit einem kleinen Einbaum auf die andere Seite des Sees gerudert. Aber als wir über eine Stunde später in Yunnan ankamen, gab es dort weit und breit keine Bank. Also sind der Bekannte, der sich wie so viele Chinesen Kevin nennt, und ich in ein Dorf „in der Nähe“ gefahren. Es ging lange in Schlangenlinien am See entlang und plötzlich bogen wir ab und waren nicht mehr auf der Straße. Wir sind querfeldein durch ein trockenes Flussbett oder etwas ähnliches gefahren, um uns nur Steppen und Gebirge (der Lugu Hu liegt im Himalaja, etwa 2700m über dem Meeresspiegel). Dann standen wir auf einmal in einem Dorf, zusammengezimmerte Häuser an einer schlaglöcherreichen Straße. Nichts als Dreck und viele Leute – und eine Bank gab es natürlich auch nicht… Mittlerweile war es 17 Uhr und es fuhr nichts mehr zurück. Da stand ich also, irgendwo im nirgendwo – ohne Geld aber mit einem Fremden. Nur eins war sicher: das ist kein Ort, wo man gerne übernachtet.
Als die Sonne unterging, fielen die Temperaturen plötzlich deutlich unter Null und nichts regte sich mehr auf der Straße. Weit und breit war niemand zu sehen, nicht einmal Schweine, Hühner, Kühe, Gänse, Hunde, Katzen… und was es tagsüber noch alles auf der Straße gab.
Am nächsten Morgen hatte ich mich damit abgefunden, in diesem Kaff fest zu hängen. Ich fing an die „Wilde Westen“ Stimmung zu genießen. Braun gebrannte Chinesen mit Cowboyhüten, einige trugen auch traditionellen Kleidern, die Landschaft und Wildpferde, die man in der Ferne durch die Steppe jagen sah. Eigentlich ist es dort echt schön.
Nach langem Laufen und mal hier mal da mit dem Auto mitgenommen werden, waren wir endlich nachmittags wieder bei mir zuhause. Endlich! Es war heiß und ich hatte natürlich einen Sonnenbrand…
Lijiang
Am nächsten Tag ging es endlich weiter!
Ich kämpfte mir den Weg vom Lugu Hu nach Lijiang, denn es gab mal wieder keine Tickets. Zum Glück gibt es so unglaublich nette und hilfsbereite Menschen auf dieser Welt!!!
Ein junges Pärchen, das auch nach Lijiang wollte, und ich fuhren mit zwei Mitfahrgelegenheiten auf spannenden „Straßen“ quer durch das Gebirge. Auf einem riesigen Plateau war plötzlich die kleine verwinkelte Altstadt Lijiangs. Touristen tummelten sich zwischen den kleinen Häuschen. Das war das erste Mal, dass ich wieder Ausländer sah – und zwar viele.
Ich war kaum losgezogen, da ging das Theater schon wieder los. Wieder waren da Chinesen, die „hello, hello“ riefen und mir winkten. Es ist doch immer das Gleiche… Ich schaute kurz hoch, sagte „hello“ und bin schnell weiter gelaufen. Ich war schon einige Meter weiter, als ich mich plötzlich umdrehte. Die drei Jungs aus dem Bus schauten mich ganz entgeistert an. Dann mussten wir alle laut lachen ![]()
Den restlichen Abend liefen wir zusammen durch Lijiangs Gassen und von Bar zu Bar.
Auch am nächsten Tag waren wir die meiste Zeit zusammen unterwegs. Dann fuhren wir vier zusammen nach Dali.
Dali
Zwei sehr nette SMS haben mich noch vor 12:00 Uhr an meinen Geburtstag erinnert. Aber irgendwie habe ich es schon wieder geschafft, dass mein Geburtstag zu einem der bescheuertsten Tage überhaupt wurde. Ich schlief fast die ganze Nacht nicht, weil ich mich mit Bauchschmerzen hin und her wälzte und am liebsten auf dem Klo übernachtet hätte. Irgendwann, nachdem ich endlich alles, was noch in meinem Bauch war, ausgespuckt hatte, konnte ich total ausgelaugt wenigstens für ein paar Stunden schlafen. Die Zugfahrt am nächsten Morgen machte mir bisschen Sorgen, aber bis dann ging es mir schon besser. Trotzdem brachte ich an dem Tag keinen Bissen runter.
Dali ist auch eine nette Altstadt, aber mir hat es hier viel besser gefallen, als in Lijiang. Außerdem bin ich auch sehr gut mit allen im Hostel klar gekommen. Wir sind durch die Straßen geschländert, haben BBQ gegessen und sind zusammen in eine Bar. Man trifft hier echt die verschiedensten interessanten Figuren
Und Drogen sind hier etwas selbstverständliches.
Kunming
Als ich in Kunming ankam, war es noch dunkel. Langsam lief ich quer durch die ganze Stadt, aber obwohl es so früh am Morgen war, waren schon einige unterwegs, joggen oder sogar arbeiten. Einige Stunde später war ich endlich im Hostel.
Die nächsten Tage erkundete ich die ganze Stadt zu Fuß! Schnell stellte sich heraus, dass Kunming ein chinesisches Milano ist – die Modestadt schlechthin.
Abends war ich mit einigen Jungs aus England, Südafrika und Amerika weg. Wir waren wirklich eine lustige Truppe
Trat
Von Kunming aus flog ich nach Bangkok und fuhr gleich mit dem Bus nach Trat weiter.
Endlich schien die Sonne und es war wirklich warm. Ich hatte es soooo vermisst! Also bin ich gleich los, um nach einer kurzen Hose und FlipFlops zu suchen. Erst jetzt bemerkte ich, dass meine Füße nicht nur bisschen weh taten, sondern auch total angeschwollen waren. Ich bin in Kunming wohl einfach zu viel gelaufen.
Für einen Tag war ich auf der Insel KoChang. Sie ist zwar von Touristen gerade zu überfüllt, aber Strand und Meer MUSSTEN einfach sein ![]()
Ich konnte es natürlich nicht lassen und bin zu einer kleinen Insel vor der Küste geschwommen. Immer wieder schwamm ich ein kleines Stückchen zurück, weil ich mir mit den Strömungen nicht sicher war. Als ich dann fast bei der Insel angekommen bin, musste ich umdrehen, weil man dort nicht so gut an Land gehen konnte. Kurz war ich bisschen erschrocken, denn ich dachte, ich käme nicht vom Fleck. Aber es war dann doch kein Problem. Langsam ging die Sonne unter, als ich gerade wieder am Strand ankam und zu meiner eigenen Überraschung bin ich 1,5 Stunden lang (etwa 2km) geschwommen. Es tat soooooo gut!
Aber jetzt war ich doch unter Zeitdruck, denn die letzte Fähre fuhr schon bald zurück. Dummerweise musste ich feststellen, dass keine Busse mehr fuhren. Als so musste ich viel zu viel für ein Extra-Taxi zahlen, das mich dann erst zum falschen Hafen fuhr. Das Schiff legte gerade ab, ich rannte noch zur Anlegestelle runter, als mir jemand zurief, dass ich zu einem anderen Hafen muss. Der Fahrer ist schon die ganze Strecke gerast wie bescheuert, aber so konnte ich gerade noch die letzte Fähre zum Festland nehmen.
Wenn es aber schon auf der Insel keine Taxis mehr gibt – wie ist es dann auf dem Festland??
Es war stockfinster. Kaum legte die Fähre ab, lief ich von Auto zu Auto und fragte, ob jemand nach Trat fahren würde. Schwierig war nur, ich spreche ja kein Thai – und hier sprach natürlich auch keiner Englisch… Eine von Energie sprühende Obstverkäuferin half mir dann, jemanden zu finden. Nach langem Hin und Her saß ich dann plötzlich in einem schicken Auto, auf dem Schoß eine Tüte mit Obst. Hinten baumelten einige Uniformen. Ich saß wahrscheinlich bei einem recht hochrangigen Offizier im Auto. Im rasanten Tempo ging es durch die Nacht, und kurz darauf hielten wir vor meinem Guesthouse ![]()
Draußen saßen einige junge Thailänder, die mich gleich einluden und wir saßen gemütlich zusammen, redeten und tranken, bis mich der eine mit dem Mofa zum Bus brachte. Das war das erste Mal, dass ich Mofa gefahren bin und ich wäre, wegen meinem Rucksack, prompt fast hinten runtergefallen ![]()
Schon saß ich wieder im kühlen Bus zurück nach Bangkok.
Bangkok
Bangkok – groß und busy, aber trotzdem so anders, als Chengdu. Hier reihen sich Sehenswürdigkeiten an Sehenswürdigkeiten, aber dadurch, dass meine Füße nicht besser, sonder immer schlimmer wurde, verging mir bisschen die Freude am durch-die-Stadt-schländern.
Trotzdem war ich am ersten Tag viel mit Bussen und auch zu Fuß unterwegs, sah verschiedenste Seiten von der Stadt, Märkte, Wasserwege, große Boxveranstaltungen auf der Straße und ein super Kunstmuseum. Als ich nachts nach hause fuhr, musste ich doch von der Bushaltestelle aus ein Stückchen laufen. Vorbei an zahllosen Obdachlosen und Drogenopfern, die mit Sicherheit nicht mehr lange zu leben hatten. Ein Taxi nehmen ging auch nicht, denn die wussten nicht, wo ich hin wollte. Ich musste also doch laufen, aber immer hin wusste ich wohin ich wollte und ich war auch nicht die einzige junge Frau, die hier alleine unterwegs war. Trotzdem war ich froh, als ich an den ganzen Bars vorbei kam, wo es von Ausländern, Licht und Leben nur so wimmelte. Das war wohl alles eher etwas ungeschickt Svenja…
Am nächsten Tag fuhr ich mit einem der vielen Tuck-Tucks (Rikscha) nach hause.
Wenn ein Tuck-Tuck-Fahrer einen zu irgendwelchen teuren Geschäften bringt, bekommt er Boni und man selbst zahlt eigentlich nichts. Als Gegenleistung wird man auch zu einigen Sehenswürdigkeiten gefahren, in Thailand sind das meistens Tempel. Ich kannte das Spielchen schon vom Hörensagen. Nach einigen netten Sehenswürdigkeiten und zwei Tailor-Läden, wo ich mir natürlich wieder dumme Kommentare wie: „mich bekommst du kostenlos“ anhören durfte, meinte der Fahrer plötzlich: „Ich fahr nicht weiter, nimm ein Taxi!“ Ich war etwas überrascht, aber sprang einfach schnell aus dem Tuck-Tuck. Was der Fahrer wohl nicht wusste – wir waren schon so gut wie bei mir angekommen ![]()
Mein letzter Tag in Bangkok war der Tag-des-Großen-Buddha, an dem viele Tempel für Touristen offen sind. Ich fuhr wieder den halben Tag mit einem Tuck-Tuck durch die Weltgeschichte, aber dieses Mal hatte ich nicht so viel Glück, wie am Vorabend. Irgendwann steckten wir weit, weit weg von meiner Unterkunft im Berufsverkehr und der Fahrer und ich hatten eine kurze, aber lautstarke Auseinandersetzung. Dann nahm ich ein Taxi.
Berufsverkehr in Bangkok ist ein Kapitel für sich! Der Fahrer fuhr schon wie ein verrückter und trotzdem brauchte es eine Ewigkeit, bis ich wieder im Guesthouse war. Ich bat den Fahrer zu warten, rannte zum Guesthouse, schnappte mir schnell meinen Rucksack und alles, was noch auf der Leine hing und einen Augenblick später waren wir wieder auf den vollen Straßen. Als wir am Bahnhof ankamen, war es 18:10 Uhr – mein Zug nach ChianMai sollte um 18:00 Uhr fahren!
Als ich aufs Gleis gesprintet kam, sah ich gerade noch einen Zug von hinten… Auf meine Frage hin meinte ein Schaffner nur: „too late…“ Einen Augenblick später stellte sich aber heraus, das der Zug Verspätung hatte. In dem Moment fuhr der richtige Zug ein. Mensch, hatte ich wieder einmal Glück!
Chian Mai
Chian Mai gefiel mir, im Gegensatz zu Bangkok, sehr gut. Hier war ich nicht alleine, sondern ich hatte schnell sehr nette Bekanntschaft gemacht. Wir zogen durch das Innenstädtchen, vorbei an verschiedenen Läden und Tempeln. Abends verwandelten sich die Straßen und Innenhöfe zu einem riesigen, belebten Markt. Wir probierten uns durch eine Köstlichkeit nach der anderen ![]()
Leider war ich nur kurz in Chiang Mai, so konnte ich „nur“ einen Ein-Tages-Kurs in Thai-Massage machen.
Chiang Rai
Eigentlich wollte ich gar nicht nach Chiang Rai, sondern ich bin nur auf dem Weg nach Dong Mai Salong durch die Stadt gekommen. Da ich dann aber doch schon am nächsten Morgen um 9:00 Uhr beim Seminar in Mae Sai sein sollte, hatte ich nicht mehr die Zeit, um nach Dong Mai Salong zu fahren. Also änderte ich meinen Plan und blieb in Chian Rai.
Im Bus hatte ich eine kleine agile und sehr nette Thailänderin kennen gelernt, die mir nicht nur geholfen hat, eine Unterkunft zu finden, sondern sich auch sonst um mich kümmerte. Wir fuhren zusammen mit ihrem alten Mofa zu verschiedenen sehr schönen Sehenswürdigkeiten, besuchten ihre Freunde und gingen abends sogar zusammen auf den Markt!
Mae Sai
Ich kam kurz vor 9:00 Uhr in Mae Sai an, aber es waren weit und breit keine anderen Seminarteilnehmer zu sehen, wie ich eigentlich gehofft hatte. Also zeigte ich einem Pick-Up-Fahrer auf einer kleinen Karte wo ich hin wollte. „Jaja, kein Problem!“ … Etwas später stand ich an der Grenze zu Myanmar. Klasse, hier wollte ich nicht hin…
Zum Glück gab es dort Touristenpolizisten, die wirklich sehr hilfsbereit waren. Mit Händen und Füßen konnte ich verständlich machen, wo ich hin wollte. Dann nahm mich der ranghöchste Polizist mit seinem Mofa mit. Erst landeten wir bei Philippinern, die uns weiter halfen, bis er mich irgendwann erfolgreich zum Seminar brachte
Das Seminar war eine schöne Zeit, dank den sehr netten anderen Teilnehmer. Wir genossen sowohl ruhige Tagen auf dem Gelände von Hope for Life bis hin zu einer Dschungel-Tour unter der prallen Sonne oder durch den Dschungel entlang von Flüssen und Bächen. Ironischerweise genoss ich gerade hier, mitten im Dschungel in einer Bambushütte meine einzige warme Dusche seit einer Ewigkeit, während es draußen Gewitterte und in Strömen regnete.
Der Weg zurück
Nach dem Seminar ging es wieder zurück nach hause. Irgendwie ein eigenartiges Gefühl plötzlich, nach so einer erlebnisreichen Zeit (ich habe zwar mal wieder einen Roman geschrieben, konnte aber trotzdem noch lange nicht alles erzählen).
Ich fuhr über Chiang Rai, wo drei Jungs vom Seminar und ich zusammen noch die letzten zwei Tage genossen, nach Chiang Saen. Von hier aus sollte ein Boot nach China fahren. Nach längerem Hin und Her fand ich auch einen Frachter, der fuhr. Als wir endlich abgelegt hatten und schon seit einigen Stunden gefahren waren, erfuhr ich plötzlich, dass wir wohl nicht in ein oder zwei Tagen in China sein würden, sondern erst in etwa vier bis fünf! So ein *****! Im ersten Augenblick hätte ich am liebsten jeden angesprungen. Irgendwie konnte ich in Myanmar dann ein laotisches Handy ausleihen und damit die einzige thailändische Nummer, die ich hatte, anrufen – Hope for Life. In der kurzen Zeit bat ich die Jungs, meinen Flug von Jinghong nach Chengdu abzusagen, leider aber ohne Erfolg. Als ich sie gerade bitten wollte, Rasmus zu sagen, dass ich später komme, war das Geld leer…
Da saß ich also.
Ich brauchte einen Augenblick, bis ich mich mit dem Gedanken angefreundet hatte, dass ich jetzt tagelang auf einem Frachter mitten auf dem Mekong festsitzen würde. Aber irgendwann begann ich das ruhig Leben zu genießen. Ich nutzte die Zeit, um meine Deutschlektüren zu schreiben und ein gutes Buch zu lesen. Die schöne Landschaft floss langsam an mir vorbei und die Strecke wurde immer gefährlicher und felsiger. Mit den Arbeitern und Käpten an Deck kam ich gut zurecht und endlich konnte ich mich wenigstens wieder ein bisschen verständigen. Mit ihren eher rauen Witzen und ganz anderen Umgehensweisen, sind die Chinesen so anders, als Thailänder!
Nach fünf Tagen kam ich endlich am Südzipfel von Yunnan an, ging durch den großen aber vollkommen ausgestorbenen Grenzübergang – nicht einmal Polizisten waren irgendwo zu sehen – und kaum hatte ich China betreten, wurde ich schon von einem Kamerateam in Empfang genommen und interviewet. Allerdings kamen wir nicht sehr weit, denn so gut ist mein Chinesisch leider noch nicht ![]()
Kaum war ich ein paar Minuten in China, da klingelte mein Handy. Es war das deutsche Konsulat. In der Zeit, während ich auf dem Boot ohne Empfang oder Internet festsaß, wurde ich in der Schule schon vermisst. Mittlerweile war eine Vermisstenmeldung rausgegangen, die nicht nur die Schule und das deutsche Konsulat aufgescheucht hatten, sondern auch die Organisation und natürlich nicht zuletzt meine Familie. Zu meiner großen Erleichterung, hatte sich das alles aber schon bald geklärt.
Mit dem Bus ging es weiter nach Jinghong, von wo aus ich am nächsten Tag nach langem Kampf ums Ticket, endlich nach hause fliegen konnte.
Ich war soooooo froh, als ich wieder zuhause war!!
Es war eine wunderschöne, spannende und unvergleichliche Zeit, die ich für nichts hergeben würde. Danke an alle, mit denen ich die Zeit teilen konnte! Es ist ein Schatz, dass es so unglaublich nette, gastfreundliche und wohlwollende Menschen gibt. Plötzlich wurde mir deutlicher denn je bewusst:
Gutes tun, und sei es bloß ein Lächeln schenken, ist niemals ein Tropfen auf heißen Stein. Es ist wie ein Steinwurf in den Bergen, vielleicht leise, vielleicht mit lautem Widerhall. Aber eins ist sicher, es bringt viel in Bewegung.






