Endlich Ferien

Leshan

Auf Ferien freut man sich immer, aber dieses Mal kam es mir so vor, als hätte ich noch nie so sehr einem Ausgleich entgegengehungert.
Am 26. Januar ging die Reise endlich los. Ich bin mit Freunden in einem mehr als vollgestopften Auto nach Leshan gefahren, wo ich schon während den letzten Ferien herzlich aufgenommen worden bin. Als wir endlich da waren, hatte ich das Gefühl, zuhause angekommen zu sein.
Die nächsten Tage habe ich mich bei der befreundeten Familie und ihrem entspannten Familienleben ausgeruht. Stundenlang saß ich immer bei XiaoDan und alle möglichen Familienmitglieder gingen ein und aus. Es war also immer etwas los :)

An einigen Tagen war ich auch mit meinen Freunden unterwegs. Wir waren beim großen Buddha, für den Leshan bekannt ist – mal vom Essen abgesehen. Und wie waren auf dem Emei Berg, aber viele wollten zurück, weil sie es wegen der Kälte einfach nicht ausgehalten haben. Ich habe eine andere Familie in Ya-an besucht und wir waren – wie kann es anders sein – essen, essen, essen.
Der letzte Tag im Jahr, 2. Februar, wurde mit viel Feuerwerk und Krach gefeiert. Das war ein Spektakel, das kann man sich in Deutschland nicht vorstellen!! Zwei Freunde und ich standen zuhause auf dem Balkon und haben mit zugehaltenen Ohren die Aussicht genossen. Es war so laut, dass wir ganz benommen wurden und an Schlaf war natürlich auch nicht zu denken.
Die Zeit in „meiner“ chinesischen Familie war wieder wunderschön und ich bin sehr froh, dass ich Neujahr, das traditionelle Familienfest, so hautnah miterleben konnte!
Aber irgendwann wollte ich auch weiter…

Lugu Hu

Am 9.2. ging die Reise dann ENDLICH richtig los!
Es war ein harter Kampf ums Zugticket, aber irgendwann saß ich im Zug in Richtung Xichang. Am nächsten Tag ging es dann zu meinem eigentlich Ziel weiter – Lugu Hu. In Xichang hätte mich wirklich nicht viel gehalten :)
Während der langen Fahrt kreuz und quer auf kleinen Straßen durch die Berge, habe ich mich sehr gut mit drei Jungs aus Beijing verstanden. Am Lugu See angekommen, trennten sich unsere Wege allerdings.
Beim Lugu See gibt es viele Minderheiten. Die bekannteste darunter sind die Mosuo, das einzige Volk, das immer noch Matriarchalisch praktiziert. Als ich am ersten Abend auf dem Weg nach hause war, habe ich etwas gemacht, was ich eigentlich nie mache – ich habe eine Mosuo-Familie gefragt, ob ich sie fotografieren darf. Irgendwie habe ich das älteste Mädchen spontan gefragt, ob sie nicht auch mal ein paar Fotos mit meiner Kamera machen möchte, ich weiß selbst nicht warum. In dem Moment war aber plötzlich eine Verbindung da. Die Frau, die ich erst für die Mutter gehalten hatte, hat mich gleich eingeladen – und eh ich mich versah, saß ich in dem traditionellen „Wohnzimmer“ einer Mosuo-Familie!
An der einen Wand des bunt bemalten Raums war eine Art kleiner Altar oder ähnliches in der Wand. Um dorthin zu gelangen, musste man eine Holzstufe hoch. Diese Art Podest nahm den größten Teil des Raums ein. Unter dem Altar war eine Feuerstelle mit zwei niedrige Bänkchen. Dort wurde ich gleich hingeführt – es war die Feuerstelle der Frauen. Die zwei Großmütter in traditionellen Kleidern nahmen gegenüber Platz und die Kinder wuselten durch die Gegend. Ich war heilfroh, am warmen Feuer sitzen zu können. Ich hatte kaum eine dampfende Tasse Tee in die Hand gedrückt bekommen, als zwei junge Männer reinkamen. Sie setzten sich sofort auf den Holzvorsprung an der Seite des Raums. Der Vorsprung war mit einem Teppich verkleidet, deutlich höher und hatte auch eine Feuerstelle. Aber sie war eindeutig nicht im Zentrum des Raumes. Das war der Platz der Männer. Die eindeutige Trennung von Frau und Mann hatte aber gar nichts zwanghaftes an sich, es war einfach selbstverständlich.
Wir saßen lange so zusammen, haben uns bisschen unterhalten, wobei ich mich meistens mit dem neunjährigen Mädchen unterhalten haben, denn die anderen sprachen entweder in ihrer Sprache oder in einem so starken Dialekt, dass ich sie nur schwer verstehen konnte. Irgendwann kam heraus, dass ich noch nicht gegessen hatte und prompt kochte die junge Frau mir etwas. Die meisten Eltern der Kinder waren irgendwo „in der Stadt“ arbeiten und kommen nur selten nach hause, die ganze Großfamilie sorgte also für sie. Abends fuhr mich der eine junge Mann und seine Freunde mit dem Auto nach hause. So sprang ich irgendwann gegen 11 Uhr nachts aus einem alten Auto voller fröhlich singender junger Männer und wurde von dem überraschten Hotelbesitzer in Empfang genommen.

Am nächsten Tag bin ich früh aufgestanden, um bei der Bank Geld abzuheben. Aber ich bekam und bekam beim besten Willen einfach kein Geld aus der Maschine. Hatte ich den PIN vergessen? Dann hat sich herausgestellt, dass meine Karte bei der Bank nicht angenommen wurde. Aber das war die einzige Bank weit und breit und ich hatte nur noch etwa 1€ – gerade genug, um zu Essen. Was jetzt?!
Da sah ich plötzlich 300 Yuan (30€) auf dem Boden!!! Aber nach einigem Suchen und Warten hat sich dann doch der Besitzer gefunden, ich kann das Geld ja nicht einfach einstecken.
In der Zwischenzeit hatte ich einen jungen Mann kennen gelernt, der sich jetzt fest vorgenommen hat, mir zu Helfen eine Bank zu finden. Weil er darauf schwor, dass es in der angrenzenden Provinz, Yunnan, eine passende Bank gibt, sind wir mit einem kleinen Einbaum auf die andere Seite des Sees gerudert. Aber als wir über eine Stunde später in Yunnan ankamen, gab es dort weit und breit keine Bank. Also sind der Bekannte, der sich wie so viele Chinesen Kevin nennt, und ich in ein Dorf „in der Nähe“ gefahren. Es ging lange in Schlangenlinien am See entlang und plötzlich bogen wir ab und waren nicht mehr auf der Straße. Wir sind querfeldein durch ein trockenes Flussbett oder etwas ähnliches gefahren, um uns nur Steppen und Gebirge (der Lugu Hu liegt im Himalaja, etwa 2700m über dem Meeresspiegel). Dann standen wir auf einmal in einem Dorf, zusammengezimmerte Häuser an einer schlaglöcherreichen Straße. Nichts als Dreck und viele Leute – und eine Bank gab es natürlich auch nicht… Mittlerweile war es 17 Uhr und es fuhr nichts mehr zurück. Da stand ich also, irgendwo im nirgendwo – ohne Geld aber mit einem Fremden. Nur eins war sicher: das ist kein Ort, wo man gerne übernachtet.
Als die Sonne unterging, fielen die Temperaturen plötzlich deutlich unter Null und nichts regte sich mehr auf der Straße. Weit und breit war niemand zu sehen, nicht einmal Schweine, Hühner, Kühe, Gänse, Hunde, Katzen… und was es tagsüber noch alles auf der Straße gab.
Am nächsten Morgen hatte ich mich damit abgefunden, in diesem Kaff fest zu hängen. Ich fing an die „Wilde Westen“ Stimmung zu genießen. Braun gebrannte Chinesen mit Cowboyhüten, einige trugen auch traditionellen Kleidern, die Landschaft und Wildpferde, die man in der Ferne durch die Steppe jagen sah. Eigentlich ist es dort echt schön.
Nach langem Laufen und mal hier mal da mit dem Auto mitgenommen werden, waren wir endlich nachmittags wieder bei mir zuhause. Endlich! Es war heiß und ich hatte natürlich einen Sonnenbrand…

Lijiang

Am nächsten Tag ging es endlich weiter!
Ich kämpfte mir den Weg vom Lugu Hu nach Lijiang, denn es gab mal wieder keine Tickets. Zum Glück gibt es so unglaublich nette und hilfsbereite Menschen auf dieser Welt!!!
Ein junges Pärchen, das auch nach Lijiang wollte, und ich fuhren mit zwei Mitfahrgelegenheiten auf spannenden „Straßen“ quer durch das Gebirge. Auf einem riesigen Plateau war plötzlich die kleine verwinkelte Altstadt Lijiangs. Touristen tummelten sich zwischen den kleinen Häuschen. Das war das erste Mal, dass ich wieder Ausländer sah – und zwar viele.
Ich war kaum losgezogen, da ging das Theater schon wieder los. Wieder waren da Chinesen, die „hello, hello“ riefen und mir winkten. Es ist doch immer das Gleiche… Ich schaute kurz hoch, sagte „hello“ und bin schnell weiter gelaufen. Ich war schon einige Meter weiter, als ich mich plötzlich umdrehte. Die drei Jungs aus dem Bus schauten mich ganz entgeistert an. Dann mussten wir alle laut lachen :D
Den restlichen Abend liefen wir zusammen durch Lijiangs Gassen und von Bar zu Bar.
Auch am nächsten Tag waren wir die meiste Zeit zusammen unterwegs. Dann fuhren wir vier zusammen nach Dali.

Dali

Zwei sehr nette SMS haben mich noch vor 12:00 Uhr an meinen Geburtstag erinnert. Aber irgendwie habe ich es schon wieder geschafft, dass mein Geburtstag zu einem der bescheuertsten Tage überhaupt wurde. Ich schlief fast die ganze Nacht nicht, weil ich mich mit Bauchschmerzen hin und her wälzte und am liebsten auf dem Klo übernachtet hätte. Irgendwann, nachdem ich endlich alles, was noch in meinem Bauch war, ausgespuckt hatte, konnte ich total ausgelaugt wenigstens für ein paar Stunden schlafen. Die Zugfahrt am nächsten Morgen machte mir bisschen Sorgen, aber bis dann ging es mir schon besser. Trotzdem brachte ich an dem Tag keinen Bissen runter.
Dali ist auch eine nette Altstadt, aber mir hat es hier viel besser gefallen, als in Lijiang. Außerdem bin ich auch sehr gut mit allen im Hostel klar gekommen. Wir sind durch die Straßen geschländert, haben BBQ gegessen und sind zusammen in eine Bar. Man trifft hier echt die verschiedensten interessanten Figuren :) Und Drogen sind hier etwas selbstverständliches.

Kunming

Als ich in Kunming ankam, war es noch dunkel. Langsam lief ich quer durch die ganze Stadt, aber obwohl es so früh am Morgen war, waren schon einige unterwegs, joggen oder sogar arbeiten. Einige Stunde später war ich endlich im Hostel.
Die nächsten Tage erkundete ich die ganze Stadt zu Fuß! Schnell stellte sich heraus, dass Kunming ein chinesisches Milano ist – die Modestadt schlechthin.
Abends war ich mit einigen Jungs aus England, Südafrika und Amerika weg. Wir waren wirklich eine lustige Truppe :)

Trat

Von Kunming aus flog ich nach Bangkok und fuhr gleich mit dem Bus nach Trat weiter.
Endlich schien die Sonne und es war wirklich warm. Ich hatte es soooo vermisst! Also bin ich gleich los, um nach einer kurzen Hose und FlipFlops zu suchen. Erst jetzt bemerkte ich, dass meine Füße nicht nur bisschen weh taten, sondern auch total angeschwollen waren. Ich bin in Kunming wohl einfach zu viel gelaufen.
Für einen Tag war ich auf der Insel KoChang. Sie ist zwar von Touristen gerade zu überfüllt, aber Strand und Meer MUSSTEN einfach sein :D
Ich konnte es natürlich nicht lassen und bin zu einer kleinen Insel vor der Küste geschwommen. Immer wieder schwamm ich ein kleines Stückchen zurück, weil ich mir mit den Strömungen nicht sicher war. Als ich dann fast bei der Insel angekommen bin, musste ich umdrehen, weil man dort nicht so gut an Land gehen konnte. Kurz war ich bisschen erschrocken, denn ich dachte, ich käme nicht vom Fleck. Aber es war dann doch kein Problem. Langsam ging die Sonne unter, als ich gerade wieder am Strand ankam und zu meiner eigenen Überraschung bin ich 1,5 Stunden lang (etwa 2km) geschwommen. Es tat soooooo gut!
Aber jetzt war ich doch unter Zeitdruck, denn die letzte Fähre fuhr schon bald zurück. Dummerweise musste ich feststellen, dass keine Busse mehr fuhren. Als so musste ich viel zu viel für ein Extra-Taxi zahlen, das mich dann erst zum falschen Hafen fuhr. Das Schiff legte gerade ab, ich rannte noch zur Anlegestelle runter, als mir jemand zurief, dass ich zu einem anderen Hafen muss. Der Fahrer ist schon die ganze Strecke gerast wie bescheuert, aber so konnte ich gerade noch die letzte Fähre zum Festland nehmen.
Wenn es aber schon auf der Insel keine Taxis mehr gibt – wie ist es dann auf dem Festland??
Es war stockfinster. Kaum legte die Fähre ab, lief ich von Auto zu Auto und fragte, ob jemand nach Trat fahren würde. Schwierig war nur, ich spreche ja kein Thai – und hier sprach natürlich auch keiner Englisch… Eine von Energie sprühende Obstverkäuferin half mir dann, jemanden zu finden. Nach langem Hin und Her saß ich dann plötzlich in einem schicken Auto, auf dem Schoß eine Tüte mit Obst. Hinten baumelten einige Uniformen. Ich saß wahrscheinlich bei einem recht hochrangigen Offizier im Auto. Im rasanten Tempo ging es durch die Nacht, und kurz darauf hielten wir vor meinem Guesthouse :D
Draußen saßen einige junge Thailänder, die mich gleich einluden und wir saßen gemütlich zusammen, redeten und tranken, bis mich der eine mit dem Mofa zum Bus brachte. Das war das erste Mal, dass ich Mofa gefahren bin und ich wäre, wegen meinem Rucksack, prompt fast hinten runtergefallen :P
Schon saß ich wieder im kühlen Bus zurück nach Bangkok.

Bangkok

Bangkok – groß und busy, aber trotzdem so anders, als Chengdu. Hier reihen sich Sehenswürdigkeiten an Sehenswürdigkeiten, aber dadurch, dass meine Füße nicht besser, sonder immer schlimmer wurde, verging mir bisschen die Freude am durch-die-Stadt-schländern.
Trotzdem war ich am ersten Tag viel mit Bussen und auch zu Fuß unterwegs, sah verschiedenste Seiten von der Stadt, Märkte, Wasserwege, große Boxveranstaltungen auf der Straße und ein super Kunstmuseum. Als ich nachts nach hause fuhr, musste ich doch von der Bushaltestelle aus ein Stückchen laufen. Vorbei an zahllosen Obdachlosen und Drogenopfern, die mit Sicherheit nicht mehr lange zu leben hatten. Ein Taxi nehmen ging auch nicht, denn die wussten nicht, wo ich hin wollte. Ich musste also doch laufen, aber immer hin wusste ich wohin ich wollte und ich war auch nicht die einzige junge Frau, die hier alleine unterwegs war. Trotzdem war ich froh, als ich an den ganzen Bars vorbei kam, wo es von Ausländern, Licht und Leben nur so wimmelte. Das war wohl alles eher etwas ungeschickt Svenja…
Am nächsten Tag fuhr ich mit einem der vielen Tuck-Tucks (Rikscha) nach hause.
Wenn ein Tuck-Tuck-Fahrer einen zu irgendwelchen teuren Geschäften bringt, bekommt er Boni und man selbst zahlt eigentlich nichts. Als Gegenleistung wird man auch zu einigen Sehenswürdigkeiten gefahren, in Thailand sind das meistens Tempel. Ich kannte das Spielchen schon vom Hörensagen. Nach einigen netten Sehenswürdigkeiten und zwei Tailor-Läden, wo ich mir natürlich wieder dumme Kommentare wie: „mich bekommst du kostenlos“ anhören durfte, meinte der Fahrer plötzlich: „Ich fahr nicht weiter, nimm ein Taxi!“ Ich war etwas überrascht, aber sprang einfach schnell aus dem Tuck-Tuck. Was der Fahrer wohl nicht wusste – wir waren schon so gut wie bei mir angekommen ;-)
Mein letzter Tag in Bangkok war der Tag-des-Großen-Buddha, an dem viele Tempel für Touristen offen sind. Ich fuhr wieder den halben Tag mit einem Tuck-Tuck durch die Weltgeschichte, aber dieses Mal hatte ich nicht so viel Glück, wie am Vorabend. Irgendwann steckten wir weit, weit weg von meiner Unterkunft im Berufsverkehr und der Fahrer und ich hatten eine kurze, aber lautstarke Auseinandersetzung. Dann nahm ich ein Taxi.
Berufsverkehr in Bangkok ist ein Kapitel für sich! Der Fahrer fuhr schon wie ein verrückter und trotzdem brauchte es eine Ewigkeit, bis ich wieder im Guesthouse war. Ich bat den Fahrer zu warten, rannte zum Guesthouse, schnappte mir schnell meinen Rucksack und alles, was noch auf der Leine hing und einen Augenblick später waren wir wieder auf den vollen Straßen. Als wir am Bahnhof ankamen, war es 18:10 Uhr – mein Zug nach ChianMai sollte um 18:00 Uhr fahren!
Als ich aufs Gleis gesprintet kam, sah ich gerade noch einen Zug von hinten… Auf meine Frage hin meinte ein Schaffner nur: „too late…“ Einen Augenblick später stellte sich aber heraus, das der Zug Verspätung hatte. In dem Moment fuhr der richtige Zug ein. Mensch, hatte ich wieder einmal Glück!

Chian Mai

Chian Mai gefiel mir, im Gegensatz zu Bangkok, sehr gut. Hier war ich nicht alleine, sondern ich hatte schnell sehr nette Bekanntschaft gemacht. Wir zogen durch das Innenstädtchen, vorbei an verschiedenen Läden und Tempeln. Abends verwandelten sich die Straßen und Innenhöfe zu einem riesigen, belebten Markt. Wir probierten uns durch eine Köstlichkeit nach der anderen ;-)
Leider war ich nur kurz in Chiang Mai, so konnte ich „nur“ einen Ein-Tages-Kurs in Thai-Massage machen.

Chiang Rai

Eigentlich wollte ich gar nicht nach Chiang Rai, sondern ich bin nur auf dem Weg nach Dong Mai Salong durch die Stadt gekommen. Da ich dann aber doch schon am nächsten Morgen um 9:00 Uhr beim Seminar in Mae Sai sein sollte, hatte ich nicht mehr die Zeit, um nach Dong Mai Salong zu fahren. Also änderte ich meinen Plan und blieb in Chian Rai.
Im Bus hatte ich eine kleine agile und sehr nette Thailänderin kennen gelernt, die mir nicht nur geholfen hat, eine Unterkunft zu finden, sondern sich auch sonst um mich kümmerte. Wir fuhren zusammen mit ihrem alten Mofa zu verschiedenen sehr schönen Sehenswürdigkeiten, besuchten ihre Freunde und gingen abends sogar zusammen auf den Markt!

Mae Sai

Ich kam kurz vor 9:00 Uhr in Mae Sai an, aber es waren weit und breit keine anderen Seminarteilnehmer zu sehen, wie ich eigentlich gehofft hatte. Also zeigte ich einem Pick-Up-Fahrer auf einer kleinen Karte wo ich hin wollte. „Jaja, kein Problem!“ … Etwas später stand ich an der Grenze zu Myanmar. Klasse, hier wollte ich nicht hin…
Zum Glück gab es dort Touristenpolizisten, die wirklich sehr hilfsbereit waren. Mit Händen und Füßen konnte ich verständlich machen, wo ich hin wollte. Dann nahm mich der ranghöchste Polizist mit seinem Mofa mit. Erst landeten wir bei Philippinern, die uns weiter halfen, bis er mich irgendwann erfolgreich zum Seminar brachte :-)

Das Seminar war eine schöne Zeit, dank den sehr netten anderen Teilnehmer. Wir genossen sowohl ruhige Tagen auf dem Gelände von Hope for Life bis hin zu einer Dschungel-Tour unter der prallen Sonne oder durch den Dschungel entlang von Flüssen und Bächen. Ironischerweise genoss ich gerade hier, mitten im Dschungel in einer Bambushütte meine einzige warme Dusche seit einer Ewigkeit, während es draußen Gewitterte und in Strömen regnete.

Der Weg zurück

Nach dem Seminar ging es wieder zurück nach hause. Irgendwie ein eigenartiges Gefühl plötzlich, nach so einer erlebnisreichen Zeit (ich habe zwar mal wieder einen Roman geschrieben, konnte aber trotzdem noch lange nicht alles erzählen).
Ich fuhr über Chiang Rai, wo drei Jungs vom Seminar und ich zusammen noch die letzten zwei Tage genossen, nach Chiang Saen. Von hier aus sollte ein Boot nach China fahren. Nach längerem Hin und Her fand ich auch einen Frachter, der fuhr. Als wir endlich abgelegt hatten und schon seit einigen Stunden gefahren waren, erfuhr ich plötzlich, dass wir wohl nicht in ein oder zwei Tagen in China sein würden, sondern erst in etwa vier bis fünf! So ein *****! Im ersten Augenblick hätte ich am liebsten jeden angesprungen. Irgendwie konnte ich in Myanmar dann ein laotisches Handy ausleihen und damit die einzige thailändische Nummer, die ich hatte, anrufen – Hope for Life. In der kurzen Zeit bat ich die Jungs, meinen Flug von Jinghong nach Chengdu abzusagen, leider aber ohne Erfolg. Als ich sie gerade bitten wollte, Rasmus zu sagen, dass ich später komme, war das Geld leer…
Da saß ich also.
Ich brauchte einen Augenblick, bis ich mich mit dem Gedanken angefreundet hatte, dass ich jetzt tagelang auf einem Frachter mitten auf dem Mekong festsitzen würde. Aber irgendwann begann ich das ruhig Leben zu genießen. Ich nutzte die Zeit, um meine Deutschlektüren zu schreiben und ein gutes Buch zu lesen. Die schöne Landschaft floss langsam an mir vorbei und die Strecke wurde immer gefährlicher und felsiger. Mit den Arbeitern und Käpten an Deck kam ich gut zurecht und endlich konnte ich mich wenigstens wieder ein bisschen verständigen. Mit ihren eher rauen Witzen und ganz anderen Umgehensweisen, sind die Chinesen so anders, als Thailänder!

Nach fünf Tagen kam ich endlich am Südzipfel von Yunnan an, ging durch den großen aber vollkommen ausgestorbenen Grenzübergang – nicht einmal Polizisten waren irgendwo zu sehen – und kaum hatte ich China betreten, wurde ich schon von einem Kamerateam in Empfang genommen und interviewet. Allerdings kamen wir nicht sehr weit, denn so gut ist mein Chinesisch leider noch nicht :P
Kaum war ich ein paar Minuten in China, da klingelte mein Handy. Es war das deutsche Konsulat. In der Zeit, während ich auf dem Boot ohne Empfang oder Internet festsaß, wurde ich in der Schule schon vermisst. Mittlerweile war eine Vermisstenmeldung rausgegangen, die nicht nur die Schule und das deutsche Konsulat aufgescheucht hatten, sondern auch die Organisation und natürlich nicht zuletzt meine Familie. Zu meiner großen Erleichterung, hatte sich das alles aber schon bald geklärt.
Mit dem Bus ging es weiter nach Jinghong, von wo aus ich am nächsten Tag nach langem Kampf ums Ticket, endlich nach hause fliegen konnte.
Ich war soooooo froh, als ich wieder zuhause war!!

Es war eine wunderschöne, spannende und unvergleichliche Zeit, die ich für nichts hergeben würde. Danke an alle, mit denen ich die Zeit teilen konnte! Es ist ein Schatz, dass es so unglaublich nette, gastfreundliche und wohlwollende Menschen gibt. Plötzlich wurde mir deutlicher denn je bewusst:

Gutes tun, und sei es bloß ein Lächeln schenken, ist niemals ein Tropfen auf heißen Stein. Es ist wie ein Steinwurf in den Bergen, vielleicht leise, vielleicht mit lautem Widerhall. Aber eins ist sicher, es bringt viel in Bewegung.

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Auf der anderen Seite der Welt

Ein Artikel aus pupils’s paper, der Schülerzeitung an der Freien Waldorfschule Heidleberg

Viele von euch haben es wahrscheinlich schon mitbekommen, ich bin auf der anderen Seite der Welt gut angekommen. Ich bin in China. Genau genommen ist China natürlich nicht wirklich „gegenüber“ von Deutschland. Trotzdem erscheint es einem viel weiter weg zu sein als zum Beispiel Neuseeland.
Seit etwa fünf Wochen lebe ich in Chengdu, der Hauptstadt von Sichuan. Sichuan ist eine Region im Süd-Westen Chinas und grenzt an Tibet. Ich wurde schon oft gefragt, warum ich denn unbedingt ins „Hinterland“ wollte und nicht nach Peking oder Schanghai. Der Grund ist einfach – hier gibt es eine Waldorfschule, und außerdem ist Chengdu mit seinen 4,1 Mio. Einwohnern alles andere als „Hinterland“.
Ich war kaum angekommen, da fingen hier schon die Ferien an – allerdings leider nicht für mich. In der Schule fand ein Seminar zur Waldorfpädagogik statt, an dem nicht nur alle Mitarbeiter der Schule teilgenommen haben, sondern auch etwa 200 andere Interessierte aus ganz China. Damit habe ich wahrscheinlich schon die Frage beantwortet, die sich der eine oder andere von euch stirnrunzelnd gestellt hat: wie kommt Waldorfpädagogik in China an?
Sehr gut! Überall in China schießen Waldorfschulen und vor allem -kindergärten aus dem Boden. Die Schule und der Kindergarten in Chengdu können sich überhaupt nicht mehr retten vor Anmeldungen, letztes Jahr gab es über 400 Anmeldungen für den Kindergarten! Hier entsteht so viel in kurzer Zeit, dass man vollkommen den Überblick verliert. Ganz zu schweigen davon, wie qualifiziert diese so genannten Pädagogen sind. Aber das Bedürfnis nach etwas anderem, als die strikte und in der Regel sehr belastende Schulerziehung, ist enorm stark.
Die nächsten freien Tage habe ich in Leshan bei einer Freundin genossen. Ich wurde unglaublich herzlich in einer großen chinesischen Familie aufgenommen.
Erst vor kaum mehr als zwei Wochen fing dann für mich der Schulalltag an. Ich kam gerade aus Leshan zurück und war wirklich noch nicht einmal mit beiden Füßen in der Wohnung, als mich jemand von der Schule angerufen hat: „Ihr unterrichtet ab morgen für alle Klassen Deutsch. Es wäre also gut, wenn du in einer halben Stunde in der Schule bei einem Meeting sein könntest.“ Willkommen in China! Ich bin trotzdem erst zu einer späteren Konferenz gekommen…
Tja, seitdem unterrichten Rasmus, der andere Freiwillige, und ich Deutsch. Die ersten beiden Klassen haben mittlerweile Japanisch, weil es so schwer ist, Deutschlehrer zu finden. Ich unterrichte also die 3., 4. und die 6./7. Klasse. Obwohl die Klassen nur zwischen 12 und 20 Kinder umfassen, ist es nicht immer einfach. Ich bin froh, dass ich in den unteren Klassen Übersetzer habe, die mir nicht nur helfen, Spiele und Geschichten zu übersetzen, sondern manchmal auch für Ruhe sorgen. Mittlerweile kann ich immerhin schon stolz „manchmal“ sagen, vor zwei Wochen war das noch ganz anders.
Im Moment versucht die Schule, als Grundschule staatlich anerkannt zu werden. Es arbeiten also alle auf Hochtouren, um herauszufinden, wie man der Regierung möglichst genehm sein kann und sich auf der anderen Seite aber trotzdem treu bleibt. Der Stundenplan und der Unterricht muss für das komplette nächste Jahr geplant und vorgelegt werden, alle Schulbücher besorgt und das Schulgelände auf Hochglanz gebracht werden. Heute kam dann die gute Nachricht: Die ersten Prüfer kommen nicht im Dezember, sondern in sieben Tagen!!
… Herzlich Willkommen in China…
Im Moment bleibt immer weniger Zeit, die ich außerhalb der Schule verbringen kann. Immer ist hier und da Was zu tun und man muss spontan doch am Wochenende arbeiten. Trotzdem treffe ich mich gerne mit Freunden. Jetzt, da ich ein paar Studenten langsam besser kennen lerne, entstehen auch immer wieder sehr interessante Gespräche über Tabu-Themen in China. Wie ist es mit politischem Engagement? Wie gefährlich ist es, seine Meinung zu sagen? Natürlich weiß die ganze Uni, wer dieses Jahr den Friedensnobelpreis bekommen hat – Liu Xiaobo, der im letzten Jahr zu elf Jahren Haft verurteilt wurde. Wenn die Studenten darüber diskutieren, müssen sie allerdings verschlüsselte Wörter benutzen, vor allem im Internet! Sie riskieren immerhin ihre Zukunft und Karriere – und das ist hier viel wichtiger, als man es sich in Deutschland vorstellen kann. Trotzdem kann hier so eine Art Sprichwort entstehen, wie zum Beispiel im Hinblick auf Nordkorea: „Wie gut, dass Mao keinen Sohn hatte“…
Mal von diesen empfindlichen Themen abgesehen, sind Chinesen sehr offen zu Ausländern. Fast zu offen. Es wird einem nicht nur überall zugewunken oder man wird angeglotzt, sondern Leute fragen einen immer wieder nach Fotos oder Handynummer und wer auch nur ein paar Wörter Englisch kann, spricht einen an. Englisch ist hier der absolute Star, jeder will es können. Eher ungewöhnlich ist es dagegen, Deutsch zu lernen. Umso wichtiger ist es für die Schule, einen engen Kontakt zu Deutschland zu pflegen. Letztes Jahr war die 8. Klasse in der Waldorfschule Wendelstein. Wir werden sehen, wohin die 7. Klasse (im Moment die älteste Klasse) nächstes Jahr gehen wird. Sie sind auf jeden Fall an einem Austausch interessiert, auch im unabhängig von der ganzen Klasse. Also, wer mal nach China möchte: nur zu!
Das gilt natürlich auch für Lehrer. Hier finden immer wieder Seminare statt, bei dem Engagierte aus der ganzen Welt Workshops anbieten. Die Chinesen sind gerade zu begierig, mehr zu lernen und der Waldorfpädagogik möglichst gerecht zu werden. Diese Offenheit gibt der Schule eine unglaublich angenehme Atmosphäre.

Vielen herzlichen Dank an alle, die mir den Aufenthalt in Chengdu ermöglicht haben!!

zwei Seiten eines Heftes, Schönschrift gilt hier noch etwas …

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Es gibt nichts, was es nicht gibt

- Eine kleine Sammlung von Eindrücken -

Ich weiß gar nicht, wie oft ich mich gefragt habe: was muss ich noch alles besorgen und was muss ich alles nach China mitnehmen?
Immer wieder habe ich Bekannte und Freunde in China mit meinen Fragen gelöchert – nicht zuletzt meiner Mutter wegen, die sich grundsätzlich doppelt so viele Gedanken macht wie ich. Sonst wäre sie wohl nicht meine Mutter ;-)
Aber jetzt, da ich hier angekommen bin, wird mir klar, warum jeder auf meine Fragen immer nur: „mh, ich weiß nicht genau.“ geantwortet hat. Hier gibt es nichts, was es nicht gibt.

Leben & Einkaufen oder die spinnen, die Chinesen

Und das gilt für jeden Lebensbereich. Kosmetikprodukte reichen bis zu Weleda, jede besser angesehene Kleidermarke ist hier vertreten und auch IKEA gibt es natürlich. Diese westlichen Produkte sind hier luxuriöse Alternativen zu den chinesischen. Große Märkte sind hier aber eher selten. Genau genommen ist die ganze Stadt ein Einkaufszentrum. Auch auf den Dörfern reiht sich ein Geschäft an das andere – und zwar nach Themen sortiert. Während den Ferien war ich in Leshan, einer kleinen Stadt südlich von Chengdu. Dort bin ich bestimmt 15 Minuten lang eine Straße entlanggelaufen, in der nur Möbel, Küchen und Betten verkauft wurden. Irgendwann bin ich abgebogen…
Andere Straßen sind von Restaurants überfüllt und man kann nur auf der Straße laufen, weil der ganze Bürgersteig (manchmal selbst so breit wie eine Straße) komplett von Tischen, Stühlen und Schirmen eingenommen wird. Manchmal, wenn man von einer Lebensmittelmarkt-Straße abbiegt – in dem außer Fahrradfahrer keiner überhaupt erst versucht zu fahren – steht man plötzlich in einem „Botanischen Garten“. Hier werden alle möglichen Pflanzen auf den fahrenden Läden angeboten.
Aber wenn man genauer hinschaut, sieht man, dass in jedem Geschäft oder Stand fast gleiche Produkte und Marken verkauft werden. Schreibwaren und Sportbälle, mit Vorliebe Basketbälle, werden zum Beispiel immer zusammen verkauft. Na ja, man muss nicht immer alles verstehen ;-)
Individuellere Geschäfte muss man dagegen eher suchen. Trotzdem findet man in Chengdu von Schuhgeschäften mit Schuhen von Größe 44-55 und Outdoor-Läden über vegetarischen Restaurants bis zum Bio-Käse-Laden einfach alles.

Toys

Wenn ich in der Wohnung rumlaufe und mir die Spielsachen von meinem 6-jährigen Didi (= kleiner Bruder) anschaue, denke ich mir auch jedesmal: hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Aber irgendwie kommt trotzdem fast jeden zweiten Tag etwas Neues dazu. Seit heute steht ein Basketballkorb in der Mitte des Wohnzimmers. Vor einigen Tagen bin ich nach Hause gekommen und da kam mir plötzlich ein kleiner Welpe entgegen…
Apropos Spielsachen: das Schlimmste überhaupt ist eine chinesische Spielzeugabteilung!
Dort wird man andauernd fotografiert oder angesprochen. An jeder Ecke schreit es „Mama“, klingelt es oder macht sonst wie Geräusche. Mal davon abgesehen, dass man vor lauter Farben, Blink und Plastik überhaupt nicht weiß, wo man hinschauen soll – oder doch lieber wegschauen?
Fast noch schlimmer ist eine Abteilung, in der englische Bücher verkauft werden. Chinesen sind absolut Englisch-geil! Dementsprechend ist man als Ausländer zwischen englischen Büchern das Opfer schlechthin. Einmal stand ich zwischen den Kinderbücherregalen und habe nach Dingen gesucht, mit denen ich leicht lesen lernen kann. Als mich jemand um Rat gefragt hat, wie er denn seinem Neffen am besten schreiben beibringen könne. Nach einigem Hin und Her hat sich dann herausgestellt, dass dieser Neffe 1 Jahr alt ist!! Ehrlich gesagt weiß ich bis jetzt noch nicht, ob er überhaupt einen Neffen hat oder ob er nur einfach meine Handynummer haben wollte…Es hat aber auch den Vorteil, dass fast überall in der Stadt alles einmal auf Chinesisch und dann auch auf Englisch drauf steht. Auch wenn häufig so etwas Schräges rauskommt, wie hier auf den Fotos.


Chenglish


Aber man findet sich hier sehr leicht zurecht. Trotzdem sprechen die meisten Chinesen nur sehr schlecht Englisch, weil sie mit ihrem trocken gelernten Wissen nicht viel anfangen können. In der Schule ist das einzige Motto: überleben – und wenn möglich mit Auszeichnung. Wer wirklich Englisch lernen will, sucht den Kontakt zu Ausländern. Und das sind viele!

Ganz anders, als erwartet

Aber mit „jeder Lebensbereich“ meine ich wirklich jeden.
Wer ist eigentlich der Meinung, dass Asiaten alle gleich aussehen? Es gibt genauso viele Chinesen, die schwarze Haare haben, wie welche, die brünett, blond oder rot-, grün-, gelb- oder blauhaarig sind. Also auch ein „Westler“ kann Chinesen gut auseinander halten.
Mit meinen 175 cm habe ich zwar immer einen ganz guten Überblick, aber es gibt doch einige Chinesen, die größer sind als ich. Ich sehe auch immer mal wieder 2m-Chinesen. Aber gut, die übersieht man ja auch nicht. ;-)

Ich frage mich aber auch immer wieder, wie das hier mit dem Essen ist. Eigentlich dachte ich, ich sei hier mit meiner Laktose-Intoleranz gut aufgehoben. Schließlich sind Chinesen dafür bekannt, dass sie Milch häufig nicht vertragen und auch keinen Käse essen. De fakto wird hier aber jeden Morgen mindestens eine 0,5 l Flasche Milch geleert. Dass ich die (außerdem etwas widerliche H-Milch) nicht vertrage, haben die nicht so ganz verstanden. In besseren Restaurants wird Milch ausgeschenkt wie Wasser. Auf der anderen Seite ist das Essen manchmal so scharf, dass ich sehr gut verstehe, warum man Milch dazu trinkt. Ich bin immer ganz froh, wenn wir in einem Top-Restaurant sind, wo Kokosmilch ausgeschenkt wird.
Also habe ich versucht herauszufinden, ob die Milch hier grundsätzlich laktosefrei ist, schließlich wohne ich hier bei einer Ärztefamilie. Aber die haben hier überhaupt keine Ahnung von Laktose. Der Vater meinte nur: „Ja, Laktose, das kenne ich.“ Aber wie der Zusammenhang mit der Milch ist, die er jeden Morgen trinkt, wusste er selbst nicht.
Milchwerbung ist die Werbung, die man hier am häufigsten sieht. Im Bus, in Läden, auf Plakaten und im Fernsehen natürlich. Neben Werbung für Medikamente zur besseren Verdauung…
Sichuan ist bekannt für sein besonders gutes, aber auch scharfes Essen. Und das ist es hier auch häufig! Aber ich habe mich erstaunlich schnell daran gewöhnt und ich esse gerne scharf, solange es einen bestimmten „Brennpunkt“ nicht überschreitet ;-)
Ich habe überrascht festgestellt, dass viele Chinesen überhaupt nicht gerne scharf essen. Viele vertragen es nicht und andere mögen es einfach nicht. Ehrlich gesagt: es kann sein, dass ich es leider auch nicht vertrage.
Auch mit Alkohol wird hier nicht zimperlich umgegangen. Und selbst wenn ich Wein immer noch etwas besser vertrage als mein Gastvater (als Sohn und Mutter über die Ferien nach Peking geflogen sind, hat sich nicht nur herausgestellt, dass mein Gastvater raucht wie ein Schlot, sondern wir haben auch einen Wein zusammen geleert), stehen die Chinesen hier den Deutschen in nichts nach was Alkohol angeht. Das lokale Bier ist übrigens sehr gut, obwohl ich zugeben muss, dass viele Biere einfach nur wässrig schmecken.
Da ich gerade beim Aufzählen von den Dingen bin, die sich als anders herausgestellt haben, als man es vielleicht erwarten würde, hier noch eine Kleinigkeit zu den Preisen. Natürlich ist hier vieles günstiger, wenn auch nicht alles. Wenn man zum Beispiel mit dem Handy telefoniert, ist es etwa genauso teuer wie in Deutschland. Und da es hier kein Festnetz gibt, denn das hat China in seiner Entwicklung irgendwie übersprungen, wird das Telefonieren auf die Dauer echt teuer.
Es gibt hier keinen festen Marktpreis, trotzdem wird man zumindest in Chengdu nicht übers Ohr gehauen. Sowohl die Rikschafahrer, als auch die fahrenden Läden und die Supermärkte scheinen sich häufig auf den gleichen Preis geeinigt zu haben. In kleineren Städten und Dörfern ist es aber anders. Da kommt auch kein Chinese um das auf die Dauer anstrengende Handeln herum. Einmal konnte ich in JiaJiang keine Haltestelle finden, weil der Bus in dem Dorf, wie häufig etwas außerhalb, einfach irgendwo hält. Also wollte ich mit einem Rikscha fahren. Die Frau wollte ernsthaft 20 Yuán (= 2,20 €) !! Im Vergleich dazu habe ich für die einstündige Fahrt mit dem Reisebus dorthin 7,5 ¥ gezahlt. Zum Glück kam in dem Moment ein Bus (Schrottkarre), den ich dann auch genommen habe. So konnte ich auch etwas von dem netten Dorf sehen, während die Schaffnerin von jeder Person einzeln 1,5 ¥ eingesammelt hat. Sie hat auch die Haltestellen angesagt und mir sehr freundlich dabei geholfen, bei der richtigen Haltestelle auszusteigen.

Chinesen in ihrer Stadt ?

Das mit der Orientierung ist in China sowieso so eine Sache für sich. Ich war immer wieder überrascht, wie schlecht sich Chinesen orientieren können. Aber das ist hier auch enorm schwer. Es sieht einfach nicht nur vieles gleich aus, sondern es verändert sich hier einfach alles in einem enorm schnellen Tempo. Vor drei Wochen bin ich mit Rasmus zu einem Bücherladen-Internet-Café gegangen. Erst haben wir die Straße verpasst, weil vor ein paar Tagen der Bürgersteig dort noch keine Baustelle war. Vor einer Woche war ich dann wieder dort. Der Bürgersteig ist jetzt natürlich fertig, aber auch die Straße ist frisch geteert und der Steig auf der anderen Straßenseite gemacht. Da kann ich es meiner Gastmutter auch nicht verübeln, dass sie nicht mal den Weg zu ihrer Mutter nach Hause findet, die sie etwa einmal in der Woche besucht. Wobei – sie ist einfach der Inbegriff von chaotisch.
Was glaubt ihr, wie heilfroh ich war, als in Leshan Stadtkarten an fast jeder Haltestelle hingen, obwohl kaum ein Chinese wirklich Karte lesen kann. Aber ich musste feststellen, dass die Karten nicht nur proportional vollkommen verschieden waren – sie wurden wie eben Platz war zurechtgedrückt – sondern auch, dass der „Sie-sind-hier“-Stern häufig an einer vollkommen falschen Stelle klebte…
Viele Chinesen finden es beinahe unerträglich, wie schnell das Leben hier vorwärts drängt. Das heißt nicht, dass hier jeder unter ständigem Zeitdruck steht. Ich finde ehrlich gesagt, dass das in Deutschland viel stärker zu spüren ist. Aber der Konformitätsdruck, so zu sein wie die Gesellschaft es von einem erwartet, ist hier unglaublich hoch. Das fängt schon beim Schulranzen an. Mädchen haben einen rosafarbenen Ranzen, Jungen einen blauen oder schwarzen. Aber vor allem, dass junge Männer möglichst sofort genug Geld verdienen müssen, um sich ein Auto und eine Wohnung zu leisten, ist für viele unerträglich. Wenn jemand das nicht kann, wird seine Freundin mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bald Schluss machen!
Viele Hände schaffen viel, dafür ist China der beste Beweis! Vor allem auf Baustellen wird Tag und Nacht gearbeitet und wenn es nur eine Person ist, die mitten in der Nacht langsam einen Bagger bedient. So entstehen in kürzester Zeit ganze Städte – mal mehr, mal weniger gepfuscht. Vor zwei Jahren wurde eine Stadt im Norden von Chengdu während dem Erdbeben komplett zerstört. Mittlerweile ist sie 30 km von dem ursprünglichen Ort entfernt wieder komplett aufgebaut worden.
Dass in kürzester Zeit alte Stadtteile, wie zum Beispiel in Beijing oder Shanghai, komplett verschwinden und Hochhäuser aus dem Boden sprießen, ist nicht nur Fortschritt. Es schockt auch viele. Sie klagen über diese ständige Veränderung, weil sie dadurch das Gefühl von Heimat komplett verloren haben.

… ich (mal wieder :( ) im Mittelpunkt …

Chinesen sind nicht körperkontaktfreudig, sie sind höflich und zurückhaltend. Der Meinung ist man zumindest häufig in Europa. Das hat sich hier aber als eins der vielen Gerüchte herausgestellt, zumindest was große Städte betrifft. Dass man hier Ellbogen braucht, wenn man im Bus ist oder überhaupt erstmal rein will oder wenn es ums Ticketkaufen geht, ist allgemein bekannt. Aber auch Umarmungen, Händchen halten oder auf dem Schoß sitzen, ist hier keine Seltenheit. Nicht einmal unter Älteren. Immer mal wieder sieht man sogar Pärchen, die sich in der Öffentlichkeit küssen.
Von der Familie, die ich in Leshan besucht habe, wurde ich auch mit Umarmungen verabschiedet. Neben vielen Fotos natürlich.
Übrigens: es gibt hier auch Haltestellen, bei denen man sich in einer Schlange anstellt. Person hinter Person – und keiner überholt oder drängelt, egal, ob die Schlange 30m oder 300m lang ist.

An die ganzen Fotos werde ich mich aber wahrscheinlich nie gewöhnen können. Foto hier, Foto da…
Eins der faszinierenden Wörter, das ich 15 Jahre lang nicht mehr gehört habe und trotzdem noch kenne ist: piaoliang. Ich habe nur nicht verstanden, warum ich damit sofort schlechte Gefühle verbinde, denn piaoliang heißt hübsch. Ich war kaum ein Tag in China, da war mir das wieder glasklar. Wirklich jeder kommt zu einem und sagt: „oh, ni hen piaoliang“ = „oh, du bist so hübsch“. So reden sie auf der Straße oder im Bus über einen. Wenn ein Mädchen oder eine Frau das zu einem sagt, ist der nächste Satz: „kann ich ein Foto mit dir machen?“. Ein Junge schmückt das „nie hen piaoliang“ in der Regel etwas aus und dann kommt: „Kann ich deine Handynummer haben?“.
Vor allem in Leshan sind die Chinesen so dermaßen penetrant. Wenn mich Leute ansprechen, ist das in Ordnung, dann kann man wenigstens noch verneinen. Aber einmal stand ich über meine Kamera gebeugt da, die Haare im Gesicht. Da kam wieder eine Familie, die unbedingt ein Foto von mir machen wollte. Weil mein Gesicht aber verdeckt war, haben sie ihren kleinen Sohn vorgeschickt. Der kam immer wieder immer dichter zu mir gerannt und hat mich versucht zu erschrecken während der Vater mit der Kamera im Anschlag vor mir stand. Solche Aktionen kann ich mir übrigens öfter anschauen. Ich warte ja noch darauf, dass mir jemand eine Banane hinwirft…

Aber ich bin froh, dass ich mittlerweile größer bin, als die meisten Chinesen. Jetzt sind Gesicht und Haare nicht mehr auf Anfass-Höhe. Am ersten Tag in Chengdu habe ich einem Freund erzählt, wie gut ich mich daran erinnere, dass mir alle Chinesen andauernd über den Kopf streicheln wollten, als ich in China gelebt habe. Damals war ich 3, bzw. 4 Jahre alt. Kurz danach habe ich mich zum Essen gesetzt – und war natürlich prompt wieder auf der richtigen Höhe…
Trotzdem, Chengdu ist eine große Stadt und auch sehr beliebt unter Touristen und Studenten, so dass man nicht immer belästigt wird. Auch wenn einem an jeder Ecke „hello“ zugerufen wird.

… und es kommt noch besser

Es gibt natürlich auch andere Chinesen. Einmal hat sich einer in einer Bar zu uns gesellt und schon bald haben wir uns sehr interessant über Freiheit, bzw. eher Unfreiheit in China unterhalten. Auch das Verhältnis von der chinesischen Regierung zu Tibet und Taiwan war ein Thema!
Wie viele andere Chinesen, die nicht zu penetrant wirken wollen, hat er vor allem Rasmus angesprochen und natürlich auch nur ihn nach seiner Handynummer gefragt. Und er hat NICHT ein paar Tage später Rasmus geschrieben: Es ist ja schön, dass wir uns getroffen haben. Aber wie ist denn die Handynummer von dem Mädchen?

Irgendwann habe ich mir echt gedacht, es gibt nichts mehr, was mich jetzt noch überraschen kann. Genau in dem Moment bin ich an einem Verkäufer vorbeigekommen, der am Straßenrand riesige 3D-Poster verkauft hat. Hier hingen genau auf Augenhöhe stark retuschierte Mao-Porträts neben nackten Frauen.

Wie gesagt: es gibt hier einfach nichts, was es nicht gibt!


Chinesischer Tanz


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Am Anfang – Ferien

Ich war nicht einmal seit einer Woche in Chengdu, als schon die Ferien anfingen. Gefeiert wurde das Mondfest, wir hatten also genau genommen nur ein paar Feiertage frei. Aber weil direkt auf das Mondfest zwei Seminare folgten, hatten die Schüler länger Ferien.
Am Mondfest selbst bin ich mit der Familie, einigen 1.-Klässlern und deren Eltern (in einem Auto!!) zur Großmutter gefahren. Die Großmutter wohnt genau am Stadtrand und die Kinder haben es total genossen, ein bisschen „aufs Land“ zu kommen. Stundenlang war das Jagen von Grashüpfern, Kröten und ähnlichem angesagt. Die Eltern konnten bisschen tratschen – und ich?
… habe mich eigentlich gelangweilt.
Die nächsten Tage habe ich genutzt, um die Stadt ein bisschen kennen zu lernen, weg zu gehen und mich endlich etwas aus zu ruhen.


Auf dem Weg zur Großmutter


Seminar

Das Seminar zur Waldorfpädagogik ging eine Woche lang und ich war überrascht, dass so viele Teilnehmer aus ganz China dabei waren. Insgesamt waren wir etwa 200 Teilnehmer. Jeder konnte an 2 verschiedenen Seminaren teilnehmen. Morgens hatte ich mich für „Singing and Dancing“ eingetragen und nachmittags für „Drama“. (Das Seminar war immer bilingual Englisch-Chinesisch, weil die meisten Lehrer aus Deutschland, Amerika und den Niederlanden kamen). Vorher und danach standen „Lectures“ zur Waldorfpädagogik auf dem Programm.


Drama und Tanz am Lehrerseminar


Ich habe die Zeit sehr genossen und ich muss sagen, hier haben sich viele sehr interessante Menschen versammelt. Natürlich wurde ich immer gerne gelöchert, wie denn eine deutsche Waldorfschule so ist und wie ich dazu stehe. Aber es kamen auch immer wieder sehr interessante Gespräche zum Thema China und seine guten UND schlechten Seiten, auf Buddhismus und wie Waldorf mit alle dem in Verbindung gebracht werden kann.
Hier habe ich auch eine der Kindergärtnerinnen besser kennen gelernt. Als ich ihr erzählt habe, dass ich in den folgenden freien Tagen gerne nach Leshan fahren würde, hat sie mich prompt eingeladen – und ich habe natürlich sofort angenommen.
So kam es, dass ich schon am Tag nach dem Seminar auf dem Weg nach Leshan war.

Leshan

Am letzten Abend vom Seminar habe ich erfahren, dass wir schon am nächsten Tag nach Leshan fahren würden. Wann genau war aber noch nicht klar…
Zum Glück bin ich auch gerne mal spontan, sonst wäre ich hier in China verloren.
Am Abend lag ich dann in einer fremden Stadt, bei einer fremden Familie, in einem fremden Haus, in einem fremden Bett. 10 Minuten Fußweg entfernt schlief eine Freundin, die ich erst seit ein paar Tagen kannte. Aber ich schlief sehr gut ;-) Was nicht zuletzt daran lag, dass ich endlich mal ein halbwegs weiches Bett hatte, denn in meiner Gastfamilie schlafe ich auf einem sehr chinesischen Bett – sprich Holz-Bett.
Am nächsten Tag sind XiaoDan, die Kindergärtnerinnen und ich zu der Attraktion schlechthin gefahren. Dieser 71 m hohe, sitzende Buddha wurde in den Jahren 719 und 803 in an der Stelle in den Berg geschlagen, an der drei Flüsse zusammen fließen. Er sollte das gefährliche Wasser besänftigen.
Dummerweise waren im Moment nationale Ferien in China und ganz China war auf den Beinen. Wir hatten also nicht die geringste Chance, direkt zum Buddha zu kommen. Also sind wir mit verschiedenen Fähren zu einer Insel gefahren und dann, weil es sich so schön ergeben hat, auf einer Art Steg auf das Wasser hinaus gelaufen. Langsam riss der ewige Nebel auf und wir konnten den Buddha von unserem Plätzchen aus gut sehen. So saßen wir gemütlichen in der Mitte zwischen den drei reißenden Flüssen. Hin und wieder ist mir ein wenig Wasser in den Schuh geschwappt und ich musste mir einen neuen Platz suchen, wo ich meinen Fuß hinstellen konnte. Aber ich hab mir natürlich nichts dabei gedacht, bis uns jemand plötzlich zugerufen hat: „Schnell, das Wasser steigt!!“
Und wir waren schnell, das könnt ihr mir glauben!
Trotzdem mussten wir durchs Wasser waten und es war gar nicht so einfach, bei der Strömung Halt zu finden. Endlich an Land waren unsere Schuhe und Hosen komplett nass. Mir ist es immer noch ein Rätsel, wie das Wasser so plötzlich steigen konnte. Aber ich bin lachend auf festem Boden angekommen. Es hat allerdings etwas gebraucht, bis XiaoDan auch anfing zu lachen. Erst jetzt gab sie zu, dass sie überhaupt nicht schwimmen kann!


An der Promenade in Leshan


Zurück zuhause haben wir uns die Schuhe der Großeltern ausgeliehen und sind wieder in die Stadt gehgangen, um ein paar der leckeren Spezialitäten zu probieren, für die Leshan bekannt ist, denn Essen ist hier die zweite Attraktion ;-)


Leshan


Am nächsten Tag hat mich eine andere Kindergärtnerin, die auch aus Leshan kommt, auf eine Tagestour mitgenommen. Wir sind erst in ein kleines Dorf gefahren, das für seine schiffförmige Altstadt bekannt ist. Danach sind wir mit einer Dampflok, die natürlich für die einzige aktive Dampflok der Welt verkauft wurde, durch die Gegend gefahren, vorbei an Reis- und Teefeldern, kleinen Arbeiterdörfern und Bergwerken. Allerdings kann ich euch nicht sagen, welche die größere Attraktion war, die Lokomotive oder ich. Die Tour war zwar echt schön, aber ich war so dermaßen angepisst, wie alle nach Fotos von mir gelechtzt haben. Es hat auch nichts geholfen, dass ich mich in meinem Kapuzenpulli versucht habe zu verstecken. Irgendwann habe ich es aufgegeben. Auch wenn ich mir anhören konnte, wie z.B. drei, vier Meter weiter ein Mädchen stolz ihrer ganze Familie die Fotos von mir gezeigt hat, die sie endlich von mir machen konnte. Das setzte zum Glück voraus, dass sie wenigstens kurz aufgehört hat, mit der Kamera auf mich zu zielen. Besonders der Vater war begeistert, der hatte mich nämlich schon seit Stunden vergeblich mit der Kamera verfolgt.


Ausflug mit der Dampfbahn


Der dritte Tag fing total chaotisch an. Ich wollte mich mit den anderen Deutschen treffen, die an dem Tag nach Leshan gekommen sind. Nach langem Stau hat sich herausgestellt, dass der Berg, wo sich auch deren Hotel befindet, gesperrt ist. Es waren einfach zu viele Menschen unterwegs. Als wir dann auch nicht zum Buddha gelangen konnten, weil sich die Menschen dort wie Sardinen gedrängt haben, sind die anderen Deutschen total entnervt zurück nach Chengdu gefahren. Ich habe die Zeit genutzt, um Gastgeschenke für die Familie dort zu kaufen.
Abends bin ich nach Hause gekommen und wurde von einer riesigen Familie rührend überrascht. In kürzester Zeit haben die einen Teil der Familie zusammengetrommelt und das sind in dem Fall sehr, sehr viele!! Die Mutter hat nicht nur zwei Schwestern, sondern die Großmutter noch fünf Geschwister und der Großvater neun…


Bad und Blick aus meinem Fenster in Leshan


Weil wir doch noch einen Tag länger in Leshan geblieben sind, habe ich den letzten Tag genutzt, um nach JiaJiang zu fahren. Das ist ein kleines Dorf zwischen Chengdu und Leshan. Es war alles andere als einfach, den Park der 1000 Buddha, etwas außerhalb von JiaJiang, zu finden. Ein Hoch auf den ausführlichen „Lonely Planet“ – und ich werde ab jetzt mehr Chinesisch lernen.
Der Park war sehr interessant. Irgendwann bin ich an eine sehr steile (!!) Felswand gekommen, wo der lockere Sandstein abgestürzt ist und den Weg komplett verbarrikadiert war. Irgendwie habe ich mich dort vorbeihangeln können – und war endlich allein!


Impressionen 1


Kaum zurück in Chengdu, war ich sehr positiv überrascht, wie wenige sich hier um einen kümmern im Gegensatz zu Leshan.

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照片 (zhàopiàn) – Fotos

Ohne Text …


Freunde



Allerlei


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Kleine Zeichenkunde


Ein Einwurf aus dem Backoffice

Schriftzeichen gibt es viele, sehr viele… Und zählen kann man sie auch nicht wirklich, da sie sich immer mal verändern können. Wer es lernen will, ist ab ca. 2000 Zeichen dabei, damit kommt man schon mal ganz gut durch. Jedes Zeichen steht für eine Silbe, die meisten Wörter bestehen aus einer oder zwei Silben, also ein oder zwei Zeichen. Wörter mit mehr als zwei Silben sind fast immer Fremdwörter, die irgendwie ins chinesische gepackt wurden Sie dann oft kaum noch zu erkennen, aber echt chinesisch sind sie auch nicht. Nun gibt es aber weitaus mehr Zeichen als Silben im Chinesischen, selbst wenn man bedenkt, dass jede Silbe in vier unterschiedlichen Tönen gesprochen werden kann. Das führt dazu, dass zwei oder mehr Dinge mit der gleichen Silbe benannt werden können, aber unterschiedliche Zeichen haben. Im Sprachfluss muss daher ein Zusammenhang gefunden werden, um mitzubekommen, um was es sich dreht. Zu allem Überfluss ändern sich die Silben in manchen Dialekten auch noch, die Zeichen bleiben aber immer gleich. Das führt schon mal dazu, dass sich zwei Chinesen aus unterschiedlichen Regionen mehr in Schrift als in Wort unterhalten müssen. Der Einfachheithalber malt man dazu die Schriftzeichen mit dem Finger in die eigene Hand. Jedes Zeichen hat eine feste Strichfolge, anhand derer der Gegenüber (hoffentlich) das Zeichen erkennt. Wir dröseln jetzt mal Svenjas Namen auf:

费 wird fèi gesprochen. Bedeutet so viel wie wertvoll, kostbar, teuer kann aber auch im Zusammenhang als Gebühr übersetzt werden. Das ganze ist eine Verknüllung von Feles.

丝 wird nun sī ausgesprochen, und es beutet Seide.
兰 wird lán gesprochen und ist dem Wort 兰 花 (lánhuā) entnommen, was soviel wie Orchidee bedeutet.

Zusammen kann man den Namen also auch als teure / wertvolle Seidenorchidee übersetzen.

Zu allem Überfluss lieben die Chinesen Mehrdeutigkeiten. Diese machen es dem Ausländer oft sehr schwer, die Sprache bis in alle Tiefen zu erlernen. 丝兰 steht auch für die Palmlilie.

Die Chinesen lieben es, wohlklingende Namen mit einer schönen Bedeutung zu wählen, je nach Wahl des Namens steigt und sinkt auch die Bedeutung einer Person sofort …. Und der Familienname steht immer vorne.

Wer das 费 mal schreiben üben möchte – kein Problem, hier die zwingend verbindliche Strichfolge:

Vor nicht all zu langer Zeit war die Schreibkunst in China nur sehr Wenigen vorbehalten. Die Schriftgelehrten übten sich zudem häufig im kunstvollen Schreiben, der Kalligraphie. Auch heute noch ist diese eine sehr hoch angesehene Kunst in China. Komplizierte Zeichen gehören da einfach mit dazu … Den Kommunisten lag nach der Revolution daran, die Schreib- und Lesekünste allen Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen. Man hat daher die Schriftzeichen vereinfacht, oft in der Art wie sie handschriftlich im Umgang durchaus schon verwendet wurden. Die vereinfachten Zeichen, auch Kurzzeichen genannt, sind besser zu lernen, zu lesen und zu schreiben. Taiwan, Hongkong und andere nicht kommunistisch regierte Gebiete lehnten die Kurzform kategorisch ab, so dass außerhalb des Mainlands praktisch ausschließlich Langzeichen verwendet werden. In Urkunden, auf edlen Schriftstücken, aber auch in der Werbung werden heute auch wieder häufig in der Volksrepublik Langzeichen verwendet …

Und hier noch mal Svenja in Langzeichen:

Für uns nicht Schriftkundige gibt es auch noch eine Umschrift, das PinYin. Diese ist inzwischen recht üblich und wird in China auch verwendet, allerdings oft alles andere als richtig, da die Umschrift den Chinesen relativ egal ist, Lateinische Buchstaben auf einem (Firmen)schild sehen eben weltoffen auf. Im Zuge der allgemeinen Computerisierung gibt es jedoch immer mehr Chinsen die lieber Pinyin zur Eingabe nutzen als reine Zahlencodes die für ein Zeichen stehen. Im PinYin werden die Silben geschrieben und mit den Tönen versehen, wie auch hier im Text. Taiwan, das nun mal vieles ablehnt was die Kommunisten eingeführt haben, verwendet oft noch das alte Wade-Giles-System. In Taiwan wird zudem gerne das Zhuyin, auch Bopomofo genannt, verwendet, eine Lautschrift mit nicht lateinischen Zeichen. Erst 2009 wurde auch in Taiwan offiziell das Hanyu Pinyin verbindlich eingeführt.


Quellen und weitere Infos:
Chinaboard, Zeichen und Wörterbuch
CJK Stroke Order Projet auf Wikimedia commons
Wikpedia (sehr gut)
Wikpedia (ok)

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Über den Wolken

Die Sonne ist aufgegangen, meine Uhr zeigt 1:10 am und das Frühstück kommt bald. Ich habe kaum zwei Stunden geschlafen und bin natürlich dementsprechend müde. Aber trotzdem mache ich die Luke auf, um etwas von der Landschaft unter mir zu erkennen. Schon wieder nur Enttäuschung.

Schon über Europa war es wolkig und ich konnte nichts auf dem Weg nach Amsterdam erkennen. Erst nachts,waren hier und da ein paar Städte zu sehen. Moskau, Nowgorod, dann manchmal vereinzelte Dörfer und dann nichts als Dunkelheit…
Jetzt sind wir etwa über die chinesische Grenze geflogen und fliegen um den Himalaja herum.
Über Sichuan wird mir langsam klar, warum die Region so bekannt ist für ihre überaus üppige Flora und Fauna. Dicke Wolken türmen sich übereinander und werden auf den Himalaja geschoben. Nur hier und da erkennt man einzelne Bergspitzen, die aus dem weißen Meer hervorragen.


Wir landen im dicken Nebel.
Endlich draußen aus dem Flughafen werde ich von zwei Frauen begrüßt und umarmt (sehr untypisch!). Auf dem Weg zu unserem glänzend weißen BMW erklärt mir XiaoV (sie regelt alles mit uns Ausländern), dass ich mich an das Wetter hier gewöhnen muss. Hier scheint fast nie die Sonne. Trotzdem trägt die zweite Frau – meine Gastmutter – einen Regenschirm, um sich damit vor der Sonne zu schützen.
Sie ist nicht die einzige, die sich so vor der Sonne schützt, die vormittags aus dem Grau auftaucht und nur als roter Ball am Himmel zu sehen ist. Sobald der Himmel einen leichten Weiß- vielleicht sogar Blaustich bekommt, sieht man hier viele Frauen mit Schirm.

Ich erlebe wirklich eine Überraschung nach der anderen. Erst die Umarmung, dann die vielen schicken Autos. Es ist total irritierend, wenn ein Fahrzeug fast geräuschlos an einem vorbeirollt, denn viele Autos fahren mit Strom, wie auch fast alle Mofas und Rickschas, und Fahrräder.
Ich wohne in einer modernen und gut ausgestatteten Wohnung, in einem durch Securities abgeriegelten Hochhäuserkomplex. Zu dem Gelände gehören auch eine Tiefgarage, ein Park, Spiel- und Sportplätze, Brunnen und ähnliches.


Kaum zuhause angekommen, ruhe ich mich kurz aus und dann geht es schon zur Schule. Ich werde einer Person nach der anderen vorgestellt – und habe mir bis jetzt fast keinen Namen gemerkt. Aber immerhin kann ich die meisten auseinanderhalten ;-)
Bei der Konferenz muss ich mich leider auch vorstellen – natürlich auf Chinesisch!… Ging aber ganz gut zum Glück. Zwar gab es einige, die nicht alles verstanden haben, aber es ging ein begeistertes Murmeln durch den Kreis. Jetzt sprechen mich alle auf chinesisch an und das war auch eigentlich so gedacht. Nur versteh ich spätestens den zweiten Satz schon nicht mehr ;-)
Erstaunlicherweise spricht hier eigentlich jeder an der Schule Englisch, ich kann mich also trotzdem halbwegs verständigen.


Zwei Tage später – es ist Sonntag, aber weil wegen dem kommenden Mondfest der Freitag ausfällt, wird heute gearbeitet – muss ich mich der ganzen Schule vorstellen. Nach der allwöchentlichen Flaggenzeremonie, bei der eine riesige chinesische Flagge von Schülern im Marsch getragen und dann gehisst wird, werde ich nach vorne gerufen. Die Schüler sind über meinen chinesischen Namen begeistert – endlich mal einer, den man sich merken kann ;-)
Mein Familienname wurde zu 费 (Fèi) Der Vorname heißt 丝兰 (sīlán). 丝 ist die Seide und 兰 kommt von der Orchidee. 费 steht für kostbar und wertvoll, aber auch für teuer. Wer es vornehm möchte, kann es auch in Langzeichen schreiben: 費絲蘭. Und ja, der Familienname steht hier immer ganz vorne.
Nachdem ich mich vorgestellt hatte und wieder in sicherer Entfernung von aller Aufmerksamkeit stand, meinte der andere Freiwillige, Rasmus, zu mir: „Dich haben sie gar nicht so ausgelacht wie mich…“

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CHINA!

CHINA! – endlich habe ich es nach langem Hin und Her geschafft, hier sicher anzukommen. Der Flug von Frankfurt über Amsterdam nach Chengdu war dabei eigentlich kein Problem. Viel schwieriger war es dagegen, den Aufenthalt hier überhaupt zu realisieren.

Alles fing damit an, dass mein Vater meinte: „übrigens, seit wenigen Jahren gibt es auch in China eine Waldorfschule“. Nach einigem Recherchieren hat sich dann herausgestellt, dass mich die Arbeit hier am meisten anspricht. Ich bewarb mich also bei den „Freunden der Erziehungskunst“. Kurz vor dem Orientierungsseminar kam die Nachricht, dass der Platz in der Schule schon vergeben sei. So ein…!
Eigentlich wollte ich überhaupt nicht mehr zum Seminar; wozu auch? Schließlich hatte ich mich mittlerweile auch bei einer anderen Organisation beworben.
Letztendlich bin ich dann doch zum Seminar gegangen. Wenige Tage danach war auch schon die Bewerbung an die Schule direkt abgeschickt.
Heute ist es mir ein Rätsel, warum ich mich überhaupt beworben habe, obwohl ich wusste, dass die Stelle vergeben war… Aber die Zusage kam! Offensichtlich hat die Schule extra für mich eine weitere Stelle für einen Freiwilligen eingerichtet.
Bald darauf bekam ich auch die offizielle Bestätigung, dass ich im weltwärts-Programm aufgenommen worden bin. Nun konnte nichts mehr schief gehen.

Denkste…
Alles konnte noch schief gehen!

Als ich zum x-ten Mal wissen wollte, ob sich der Chinesischkurs in Berlin mit dem Vorbereitungsseminar überschneidet, stellte sich plötzlich – mehr oder weniger zwischen den Zeilen – heraus, dass ich überhaupt nicht mehr in weltwärts bin! Mit diesem Programm vom BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) ist aber eine finanzielle Unterstützung verbunden, die es mir überhaupt erst ermöglicht, nach China zu gehen. In der Zwischenzeit hatte ich von der anderen Organisation eine Zusage bekommen, die Stelle aber nicht angenommen. Was nun?
Irgendwann bekam ich endlich den Grund für den Rausschmiss heraus – das Visum. Nur mit einem Jahresvisum ist es möglich, am Programm teilzunehmen, so die „Freunde“. In China ist es allerdings nur möglich ein Jahresvisum zu erhalten, wenn man dort arbeitet oder studiert. Das Engagement in der Schule wird aber nur als Praktikum anerkannt. In anderen Worten: ich kann kein Jahresvisum erhalten! Aber ich kann auch nicht einfach so aufgeben.
Also versuchte ich nicht nur, auf verschiedensten Wegen an ein Jahresvisum zu kommen (z.B. mit Manuel Vermeers Hilfe), sondern wandte mich auch direkt an das BMZ. Von denen erfuhr ich dann, dass ich nicht unbedingt ein Jahresvisum brauche. Die einzigen Bedingungen sind, dass ich 1. nicht als Tourist im Land bin und 2. nicht ausreisen muss, um mein Visum zu verlängern. Gleichzeitig kam die Nachricht von Manuel Vermeer, dass ein Visum auch in Chengdu verlängert werden kann.
Plötzlich war da wieder Licht am Ende des Tunnels!
Es gibt doch eine Möglichkeit, wieder im Programm aufgenommen zu werden. Ich hatte schon nicht mehr richtig daran geglaubt.
Bis jetzt war das aber nur eine Möglichkeit und noch nicht Realität. Es war mittlerweile schon Juli und der Chinesischkurs stand vor der Tür. Von Berlin aus versuchte ich, den Rest zu regeln, aber es ging nur langsam voran. Anfang August hatte ich dann endlich die endgültige Zusage. Jetzt bestätigte sich auch das, was ich schon vor Monaten befürchtet hatte – der Chinesischkurs überschnitt sich mit dem letzten Vorbereitungsseminar. Und das Beste ist, das Seminar sollte schon in ein paar Tagen beginnen!
Ich konnte zum Glück ein paar Tage später zum Seminar kommen und musste auf der anderen Seite nicht so viele Tage vom Chinesischkurs ausfallen lassen.
Die Zeit beim Seminar genoss ich sehr. Aber leider sind 10 Tage Vorbereitungsseminar Pflicht, also musste ich die fehlenden fünf Tage bei einem anderen Seminar nachholen. Letztendlich blieben mir nur wenige vereinzelte Tage in Heidelberg zum Vorbereiten und Packen.

Am 15. September ging es dann los!
Eigentlich hätte ich gerne noch etwas mehr Zeit und Ruhe gehabt, aber die Hauptsache ist, dass ich es überhaupt bis hier her geschafft habe.

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Hallo Welt!

Hier geht’s bald los –
Am 15. September geht der Flieger nach 成都市 (Chengdu) – ins Reich der Mitte, ganz in die Mitte.

Und wer es genauer wissen will, selbst Googles Maps kennt Chengdu schon ..

zoomin

da wären wir über der Schule …

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